[Gastbeitrag] Imposter-Syndrom

Imposter syndrome: Wenn der eigene Kopf zum schlimmsten Kritiker wird Und wie man ihn dauerhaft und nachhaltig los wird. Ja, das ist möglich. Warst du bei einem Meeting schon einmal unsicher und voller Selbstzweifel? Während du deine Meinung äußerst, schleicht sich ein kleiner roter “Betrüger“-Alarm ein. „Was, wenn alle merken, dass ich keine Ahnung habe?“, denkst du. Willkommen im Club des Imposter-Syndroms! Was ist das Imposter-Syndrom? Das Imposter-Syndrom, oder Hochstaplersyndrom, beschreibt das Gefühl, dass man seine Erfolge nicht wirklich verdient hat. Die meisten Menschen haben es, egal ob Professor, CEO eines Start-ups oder Hausfrau und Mutter – die Selbstzweifel nagen an dir wie der Wurm im Apfel. Es betrifft Männer und Frauen. Wie erkennst du das Imposter-Syndrom bei dir? Die folgenden Fragen gelten für “Ich bin nicht gut genug”: Stellst du dir solche und ähnliche Fragen? 1. Bin ich wirklich gut genug für diese Aufgabe/Rolle? 2. Was, wenn meine Leistung nicht ausreicht und andere es merken? 3. Wie kann ich sicherstellen, dass ich nicht entlarvt werde? 4. Bin ich nur hier, weil ich Glück hatte oder jemand anders mich begünstigt hat? 5. Wann wird jemand merken, dass ich eigentlich keine Ahnung habe, was ich tue? 6. Wie kann ich mein Wissen und meine Fähigkeiten kontinuierlich verbessern, um meine Unsicherheiten zu überwinden? Ich brauche noch diese und jene Ausbildung. 7. Was, wenn ich einen Fehler mache und damit beweise, dass ich nichts kann? 8. Wer bin ich, um andere anzuführen oder zu unterrichten? 9. Warum habe ich das Gefühl, dass ich nicht genug tue, obwohl ich hart arbeite? Es ist wichtig zu beachten, dass diese Fragen von Person zu Person variieren, da jeder das Imposter-Syndrom auf seine eigene Weise erlebt. Die Liste ist nicht vollständig. Mehr dazu ___________________________________________________________________________________________________________________________________________________ 1. Exploring fear of appearing incompetent, competency pressure, tactics and perceptions in negotiations, Rebecca Badawy, 2020 International Journal of Conflict Management Die Folgen können dramatisch sein. Die Auswirkungen können bei den Geschlechtern unterschiedlich sein, z.B. trauen Frauen sich weniger zu, erhalten dadurch weniger Chancen im Job, verdienen weniger und machen seltener Karriere. Männer neigen öfter zur Überkompensation und zur Selbstüberschätzung. Depression, burnout, Konflikte und Streit mit der Familie, Kontaktabbrüche sind nicht selten. Fast jeder von uns hat diese Gedanken, egal wie erfolgreich oder talentiert wir sind. Eine Umfrage unter gut verdienenden Leuten hat ergeben, dass mehr als 70% der Befragten über Imposter-Gefühle geklagt haben. Ja, sogar die berühmtesten Stars! Tom Hanks und auch Lady Gaga haben es in einem Interview zugegeben. Nun gibt es reichlich Tipps und Tricks, wie man damit umgeht: Erstelle eine Liste deiner Erfolge Rede darüber Sei gnädig zu dir selbst Usw. Nur leider hilft das auf Dauer nicht, denn es ist reine Symptombekämpfung. Die Ursache bleibt weiterhin bestehen. Wieso ist das so? Wir sind oft Jahrzehnte auf unsere Denk- und Verhaltensweisen neuronal vernetzt. Jede Wiederholung einer Aktivität, jedes Lernen bedeutet die Bildung neuer neuronaler Verknüpfungen. Hier kommt die Kompetenzstufenentwicklung ins Spiel. Ich weiß nicht, dass ich nicht weiß (unbewusste Imkompetenz) Ich weiß, dass ich nicht weiß (bewusste Imkompetenz) Ich weiß, dass ich weiß (bewusste Kompetenz) Ich weiß nicht, dass ich weiß. (unbewusste Kompetenz) Jeder, der Auto fahren kann, kennt das. Zuerst ist man überfordert mit Gas, Kupplung, Bremsen, Lenken und auch noch auf den Verkehr achten. Ein paar Jahre später hört man Hörbuch nebenher, telefoniert und plötzlich ist man am Ziel angekommen und kann sich nicht an die gefahrene Strecke erinnern. Die neuronalen Vernetzungen im Gehirn für das Autofahren übernehmen sämtliche Handlungen. Das Gehirn arbeitet ökonomisch, denn es ist auf Überleben und Energiesparen eingestellt. So sind wir auch neuronal auf unsere Schlussfolgerungen und Überzeugungen, die der Verstand als Identitäten über uns bildet, vernetzt. Eine Liste der Erfolge zu erstellen, kommt gegen die Jahrzehntelange Vernetzung des Gehirns nicht an. Daher funktionieren Tipps und Tricks nicht nachhaltig. Was also tun? 2. https://dock.hkk.de/gesundheit/seele-und-psyche/das-impostor-syndrom-zweifel-am-eigenen-erfolg 3. Adams, Linda. “Learning a new skill is easier said than done”. gordontraining.com. Gordon Training International. Retrieved 21 May 2011, Noel Burch Es komplett aufgeben natürlich! “Das geht ja nicht! Das kann gar nicht sein! Das kann man nicht loswerden. Wenn man das einmal hat, dann muss man damit umgehen lernen.” Das hört und liest man immer wieder, wenn es um das Imposter-Syndrom geht. Dabei übersehen alle, dass sie so nicht auf die Welt gekommen sind. Sie haben sich das ich-bin-nicht-gut-genug Denken als Identität ZUGELEGT, um sich eine unerwartete Situation als Kind erklärbar zu machen: Hier eine kleine Geschichte als Beispiel: “Der Sechstklässer ist nicht besonders gut in Mathe. Jetzt hat er aber eine 1 in der Mathearbeit geschrieben und ist außer sich vor Freude. Er läuft begeistert nach Hause und ruft “Mama, Mama, ich hab eine Eins in Mathe geschrieben”. Und die Mutter sagt: “Ja, ok, bring mal erst den Müll runter.” Was passiert jetzt im Denken des Jungen? Zum Beispiel: Was? Eine Eins reicht immer noch nicht (= ich bin nicht gut genug), um die Anerkennung meiner Mutter zu bekommen? Was soll ich denn noch tun? Das denkt er nicht bewusst. Bei ihm macht sich lediglich Enttäuschung breit, denn die Gedanken denkt er in Nanosekunden und bekommt das nicht einmal mit. Was er mitbekommt, ist das Gefühl von Trauer und/oder Ärger. Und in dem Moment beginnt das “ich bin nicht gut genug Denken” und dann steigen wir in das Hamsterrad der Leistung ein, um zu beweisen, dass wir doch gut genug sind. Der Gedanke und das Gefühl sind bereits auf der “mental-emotionalen Festplatte” abgespeichert und laufen nun als Programm im Hintergrund. Sie bestimmen nicht oder nur halb bewusst unser weiteres Denken in Form von Selbstzweifeln, Fühlen und Handeln. Perfektionismus und viel und hart arbeiten sind davon ein Ausdruck mit all den unerwünschten Folgen, die das haben kann. Da wir immer wieder so denken, glauben wir, der Gedanke gehört zu uns, er wäre eine Wahrheit über uns. Wir haben uns darauf neuronal vernetzt. Natürlich bestätigen uns unsere Gefühle und Ergebnisse, dass das auch stimmt. So glauben wir. Die Ursache ist aber der Gedanke, von dem wir absolut überzeugt sind, ja, wir haben uns mit ihm identifiziert. Diesen Gedanken
[Gastbeitrag] Lebenkrise Widerstandskraft stärken
Seelische Widerstandskraft „trainieren“ – So stärkst du deine Resilienz In diesem Artikel erfährst du, wie du deine seelische Widerstandskraft stärken kannst, um in schwierigen Zeiten standhaft zu bleiben und dein inneres Gleichgewicht zu bewahren. Im Laufe unseres Lebens werden wir alle mit Herausforderungen, Rückschlägen und Veränderungen konfrontiert. Ob berufliche Unsicherheiten, familiäre Probleme oder persönliche Krisen – die Art und Weise, wie wir auf diese Situationen reagieren, bestimmt maßgeblich unser Wohlbefinden. Hier kommt die Resilienz ins Spiel, also die Fähigkeit, trotz widriger Umstände nicht nur zu überleben, sondern sogar gestärkt daraus hervorzugehen. Die gute Nachricht: Resilienz ist keine angeborene Eigenschaft, sondern etwas, das du trainieren und entwickeln kannst. Erkenne deine Stärken und Schwächen Ein erster Schritt, um deine Resilienz zu stärken, besteht darin, dich selbst besser kennenzulernen. Nimm dir Zeit, um über deine Stärken, Schwächen und bisherigen Bewältigungsstrategien nachzudenken. Welche Fähigkeiten und Eigenschaften haben dir in der Vergangenheit geholfen, schwierige Situationen zu meistern? Wo siehst du noch Verbesserungspotenzial? Indem du dir deiner selbst bewusstwirst, kannst du gezielt an den Bereichen arbeiten, die dir helfen, deine Widerstandskraft zu stärken. Akzeptiere Veränderungen als Teil des Lebens Veränderungen sind unvermeidlich, und oft sind es gerade die unerwarteten Wendungen, die uns am meisten herausfordern. Anstatt dich gegen Veränderungen zu wehren, versuche, sie als natürlichen Teil des Lebens zu akzeptieren. Wenn du Veränderungen als Chance für persönliches Wachstum betrachtest, fällt es dir leichter, flexibel auf Situationen zu reagieren und konstruktive Lösungen zu finden. Setze dir erreichbare Ziele Klare, erreichbare Ziele geben dir Orientierung und helfen dir, auch in schwierigen Zeiten motiviert zu bleiben. Wichtig ist, dass deine Ziele herausfordernd, aber realistisch sind, damit du dich nicht überforderst. Jedes Mal, wenn du ein Ziel erreichst, wird dein Selbstvertrauen gestärkt, was wiederum deine Resilienz fördert. Trainiere dich darin, das Gute in jeder Situation zu erkennen In schwierigen Situationen neigen wir oft dazu, uns auf das Negative zu konzentrieren. Doch gerade dann ist es wichtig, bewusst nach positiven Aspekten zu suchen. Indem du deinen Blickwinkel änderst und dich auf Lösungen statt auf Probleme konzentrierst, wirst du nach und nach eine positivere Einstellung entwickeln, die dir hilft, auch schwierige Zeiten besser zu überstehen. Pflege deine Beziehungen Unterstützung von außen ist ein wichtiger Faktor für die Stärkung deiner Resilienz. Sprich mit Freunden, Familie oder Vertrauenspersonen über deine Herausforderungen und zögere nicht, um Hilfe zu bitten. Ein starkes soziales Netzwerk gibt dir Rückhalt und kann dir in Krisenzeiten neue Perspektiven aufzeigen. Zudem können gemeinsame Erlebnisse und der Austausch mit anderen dazu beitragen, dass du dich weniger allein fühlst. Achte auf deine körperliche Gesundheit Körperliche und seelische Gesundheit hängen eng zusammen. Um deine Resilienz zu stärken, ist es daher wichtig, auch auf deinen Körper zu achten. Ausreichender Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung sind entscheidend, um sowohl körperliche als auch mentale Widerstandskraft aufzubauen. Wenn du dich körperlich fit fühlst, bist du auch emotional belastbarer und kannst besser mit Stress umgehen. Praktiziere Achtsamkeit und Meditation Achtsamkeit und Meditation sind bewährte Methoden, um deine Fähigkeit zur Stressbewältigung zu verbessern. Indem du regelmäßig Achtsamkeitsübungen in deinen Alltag integrierst, lernst du, im Moment zu leben und dich weniger von negativen Gedanken und Emotionen beeinflussen zu lassen. Meditation kann dir helfen, inneren Frieden zu finden und dich auf das Wesentliche zu konzentrieren, was wiederum deine Resilienz stärkt. Sei flexibel und passe dich an Resiliente Menschen zeichnen sich durch ihre Flexibilität aus. Das bedeutet, dass sie in der Lage sind, ihre Pläne anzupassen und neue Wege zu gehen, wenn es notwendig ist. Übe dich darin, flexibel auf Veränderungen zu reagieren und offen für neue Lösungen zu sein. Nimm dir Zeit für dich selbst Selbstfürsorge ist ein zentraler Bestandteil der Resilienz. Nimm dir regelmäßig bewusst Zeit für dich selbst, um auf deine Bedürfnisse einzugehen und dich zu erholen. Ob ein Spaziergang in der Natur, ein gutes Buch oder einfach nur ein paar ruhige Minuten für dich – diese Auszeiten helfen dir, deine Energie aufzuladen und in stressigen Zeiten gelassener zu bleiben. Lerne aus schwierigen Situationen Jede Krise, jeder Rückschlag birgt auch die Chance, etwas Neues zu lernen. Betrachte schwierige Situationen als Lernmöglichkeiten und frage dich, was du aus ihnen mitnehmen kannst. Setze klare Grenzen Es ist wichtig, dass du lernst, Nein zu sagen und klare Grenzen zu setzen. Überforderung und Stress entstehen oft, weil wir versuchen, es allen recht zu machen und uns selbst dabei vergessen. Indem du deine eigenen Bedürfnisse ernst nimmst und Grenzen setzt, schützt du dich vor Erschöpfung und schaffst Raum für Dinge, die dir wirklich wichtig sind. Bewahre dir deinen Humor Humor ist ein mächtiges Werkzeug, um in schwierigen Situationen eine positive Perspektive zu bewahren. Wenn du es schaffst, auch in herausfordernden Zeiten das Lachen nicht zu verlieren, wirst du merken, wie viel leichter es dir fällt, mit Problemen umzugehen. Lachen entspannt, baut Stress ab und hilft dir, den Blick für das Wesentliche zu bewahren. Sei geduldig mit dir selbst Resilienz aufzubauen ist ein Prozess, der Zeit braucht. Anerkenne kleine Fortschritte und sei dir bewusst, dass es völlig normal ist, Rückschläge zu erleben. Scheue dich nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn du allein nicht weiterkommst. Resilienz ist wie ein Muskel, den du trainieren kannst. Mit Geduld, Übung und den richtigen Strategien wirst du feststellen, dass du in der Lage bist, selbst die schwierigsten Zeiten zu überstehen und gestärkt daraus hervorzugehen. Du bist stärker, als du denkst – und du hast die Kraft, deine seelische Widerstandskraft zu trainieren und zu einem festen Bestandteil deines Lebens zu machen. www.AntjeBusbach.de Zur Autorin: Antje Busbach Masterinspirationscoach nach Herz über Kopf und Greator Coach, systemisch integrativer Naturcoach, integrative Klangpädagogin, Musiktherapeutin, NeuroKinetic- und Sporttrainerin In der Ruhe liegt die Kraft Wengeler Höhe 2 59846 Sundern Handy 0170 7004935 Folge mir gerne auch hier: https://www.instagram.com/antjebusbach/ https://www.pinterest.de/AntjeBusbachCoaching/ https://de.linkedin.com/in/antje-busbach-aba5181b8 https://www.facebook.com/antje.busbach https://www.facebook.com/groups/1127517794345980/?ref=share https://www.youtube.com/channel/UC79it4t_ELVKjBHX2TrJQAg www.InderRuhe.de
[Gastbeitrag] Als Frau und Mutter über sich selbst hinaus wachsen

Wir können nicht immer das Papier wählen, auf dem wir schreiben, aber wir können entscheiden, welche Form die Geschichte bekommt. Wenn wir Eltern werden, erleben wir eine tiefgreifende Transition und Transformation. Unsere Kinder bringen Dinge in uns zum Vorschein, von denen wir nicht einmal wussten, dass sie da sind. Plötzlich erleben wir die höchsten Höhen und die tiefsten Tiefen. Wir werden stark mit uns selbst konfrontiert, mit unserer Vergangenheit, mit offenen und unverarbeiteten Verletzungen. Sich dem zu stellen, die alten Wunden zu begutachten und zu verarbeiten, ist eine wahnsinnig große Herausforderung. Manchmal scheinen wir daran zu zerbrechen. In Wahrheit wachsen wir daran. Und wie die Schlange, die sich häutet, ist auch dieser Wachstumsprozess nicht ohne Schmerzen. Meine Kinder sorgen letztendlich dafür, dass ich ein anderer, besserer Mensch werde. Nicht, dass ich vorher schlecht war oder irgendwann vollkommen sein werde. Denn das sind wir bereits von Anfang an. Aber Verletzungen und Erfahrungen, gesellschaftliche Einflüsse und Ängste legen sich irgendwann darüber und lassen uns vergessen, wer wir wirklich sind und wozu wir hier sind. Falsch verstandene Bedürfnisorientierung So kam es auch, dass ich trotz Entwicklung durch meine Kinder immer unglücklicher wurde. Ich folgte vielen Impulsen, andere Wege mit meinen Kindern zu gehen und damit lief ich gut. Aber gleichzeitig blieb ich dabei auf der Strecke. Die Kinder wurden zum Dreh- und Angelpunkt meines Lebens. Alles war auf sie ausgerichtet. Es gab keinen Raum mehr für mich als Frau, Mensch, Partnerin, Arbeitende. Als Ehepaar mit Kindern erschafften wir uns ein Familiensystem, in dem es nur noch um die Kinder ging. Wenn den Kindern etwas nicht gefiel, oder doof für sie war, dann taten wir es nicht. Egal, ob es mir oder uns wichtig gewesen wäre. Ich geriet in völligen Mangel. Mein ganzes Leben wurde plötzlich schwer und anstrengend. Ich verlor Energie, Lebendigkeit, Zuversicht und das Gefühl, die Herausforderungen des Lebens bewältigen zu können. Mit der Corona-Pandemie und den Lockdowns kam die Erkenntnis: Ich bin sehr gerne Mama, ich bin gerne für meine Kinder da. Aber ich kann das nicht nur ausschließlich machen. Ich muss mich auch in anderen Lebensbereichen wiederfinden und mit mir in Kontakt kommen. Ich entschied mich für eine Coaching-Ausbildung mit dem Ziel der Selbständigkeit als Coach und Ernährungsberater. Durch die Angst gehen: Trennung als Neuanfang Die Coaching-Ausbildung war tiefgreifend. Es ging nicht darum, wie ich anderen Menschen helfen könne, sondern es ging in erster Linie darum, mich selbst zu coachen. Und dazu gehörte, mich selbst kennenzulernen. Nie zuvor habe ich mich so intensiv mit mir selbst beschäftigt. Ich lernte auch, einen besseren Zugang zu mir, meinen Bedürfnissen, Wünschen und kühnsten Träumen zu finden. Und dann spitzte sich mein Leben zu. Ich traute mich plötzlich aus meinem Kokon und fing an, für mich zu gehen. Ich ging auf Menschen zu, die ich spannend fand und gerne kennenlernen wollte. Ich fing einen Tanzkurs an. Ich meldete mich zu einem Kurs für bedürfnisorientierte Elternschaft an. Mit dem Tanzkurs erfuhr ich eine völlig neue Energie in meinem Leben. Ich lernte in der ganzen Zeit Menschen kennen, die mir neue Sichtweisen aufzeigten. Nach fast zwei Jahren der Coaching-Ausbildung kam ich am Tiefpunkt meines Lebens an. Ich gestand mir ein, wie groß mein Mangel in der Partnerschaft war und wie sich das auf mein ganzes Leben auswirkte. Danach erlebte ich einen der schwierigsten Abschnitte meines Lebens. Ich entschied mich zur Trennung von meinem damaligen Mann. Ich tat das aus einem inneren Ruf heraus. Mein Kopf und auch mein Herz sagten mir ständig “Ich kann das nicht.”, “Ich schaffe das nicht”. Ein kleiner innerer Funke in mir ließ mich jedoch weiter gehen. Schritt. für. Schritt. Und mit jedem noch so kleinen Schritt, im Schneckentempo machte ich die Erfahrung, dass ich noch lebte. Und dass auch mit vielen Schritten eine Last von mir abfiel. Es folgte ein Auf und Ab von Gefühlen: Trauer, Erleichterung, Schuld und Schamgefühle, Freude über alles neu gewonnene. Und Schritt für Schritt habe ich auch das überwunden und bin fein mit meinem Weg. Und seitdem wachse ich täglich weiter. Will noch höher hinaus. Weiß, dass ich erst am Anfang bin. Ich möchte andere Menschen ermutigen und darin begleiten, für sich und ihr Glück zu gehen: Raus zu kommen aus der Energielosigkeit, dem Mangel und wieder in eine selbstermächtigende Rolle und der Regisseur ihres Lebens zu werden. Denn das sind wir. Wir allein schreiben unsere Geschichte. Wir können nicht immer das Papier wählen, auf dem wir schreiben, aber wir können entscheiden, welche Form die Geschichte bekommt. Zur Autorin: Sabrina Niedermaier ist Ernährungswissenschaftlerin und Life Trust Coach, Mutter von zwei Kindern und Partnerin. Sie lebt dafür, Menschen in ihren Lebensprozessen zu begleiten. Die Methoden sind getragen von einem ganzheitlichen Ansatz, der den Menschen immer in all seinen Facetten betrachtet. Krankheiten werden als Sprache der Seele verstanden, die etwas zum Ausdruck bringen möchte. In ihren Coachingräumen bietet sie Raum für Begegnungen mit sich selbst und zum Wiedererlangen der Selbstwirksamkeit im eigenen Leben. https://www.facebook.com/sabrina.gahler
[Gastbeitrag] Als Hochsensible im Dreibettzimmer

Wie ich gelernt habe gesunde Grenzen zu setzen, auch wenn ich mir damit nicht immer Freunde mache Gerade bin ich in einer Klinik für Naturheilkunde. Und bin dort an vielen Stellen wieder in meiner hochsensiblen Ader getriggert. Denn ich muss in einem 3-Bettzimmer übernachten. Alles andere hätte horrende Zusatzkosten mit sich gebracht, die ich nicht aufbringen wollte. Schon im Vorfeld hab ich mir darum die meisten Gedanken gemacht. Wie soll das nur gehen, mit 2 weiteren Energien im Raum und wenn beide vllt nicht so sensibel und umsichtig sind, wie ich? Laute Geräusche machen, ggf. schnarchen, stark nach Parfum riechen oder sogar schlimmer? Ich wohne allein, und das nicht ohne Grund. Meine Wohnung ist mein Rückzugsort, mein Refugium, meine kleine Ruhe Oase. Wenn ich die Tür schließe, fühl ich mich geborgen und sicher. Niemand, der mit mir reden will, mit dem ich jetzt irgendwas klären müsste. Niemand, dessen Energie die meine kreuzt. Nur himmlische Ruhe. Außerhalb meiner Wohnung muss ich Kompromisse schließen, so wie wahrscheinlich jede*r, ob nun hochsensibel oder nicht. Zurück zur Klinik: Eine meiner Bettnachbarinnen ist schwerhörig. Außerdem nen bissl grobmotorisch und Fersenläuferin. Man hört sie also deutlich. Geht sie nachts zur Toilette, bin ich wach. Sie kann nichts wirklich leise machen, weder nachts noch am Tage. Da wird die Schublade ihres Nachtschränkchens aufgezogen und unzählige Male irgendwas gesucht. Und jedes Teil in der Schublade kratzt auf dem Plastikboden entlang. Da wird das Wasserglas auf den Tisch geknallt und minutenlang in Tüten gekramt. Ihr Handy hat nervige Tastentöne und sie tippt sehr, sehr langsam. Und mit jedem Buchstaben, den sie eintippt, macht es klick, klick, klick. Selbst die Tür zum Bad macht sie laut auf. Und sie schnarcht. Es wäre zum Verzweifeln, wenn ich nicht gerade sehr, sehr entspannt wäre und wir beide nicht sonst so viel Spaß zusammen hätten. Hatte ich schon erwähnt, dass ich all das wahrnehme, obwohl ich nachts Ohropax und eine Schlafbrille trage? Sie selbst hört das alles nicht, sie ist ja schwerhörig. Und sie kann ja auch nichts dafür, dass ich so sehr sensibel auf alles reagiere. Hochsensibel zu sein, wenn man sich gleichzeitig gern mit Menschen umgibt und in einer Großstadt wohnt, ist eine ziemliche Herausforderung. Ich liebe zum Beispiel eigentlich Restaurantbesuche. Das Zusammensitzen mit Freunden, das Austauschen, lachen, die Gesellschaft, das gute Essen und die netten Kellner. Es ist ein kleines Stück vom Glück und hat urbanes Flair. Auf der anderen Seite sind da die vielen anderen Menschen in einem Restaurant. Die Familie mit nörgelnden Kindern hinter mir, die laut lachende Mädelsrunde, die ihren Abend genießen, der runde Geburtstag, der 2 Tische weiter gefeiert wird. Da kann ein Restaurantbesuch schon mal schlauchen. Am liebsten ist es mir im Sommer, wenn wir draußen sitzen können. Da stauen sich dann die Geräusche nicht so. Ich bin eindeutig jemand, die gute Gesellschaft schätzt und genießt. Ich singe in einem großen Chor, nehme an Nähkränzchen mit 10 weiteren schnatternden Frauen und surrenden Nähmaschinen teil und geh auch gern mal tanzen. Ich teile mir solche Events jedoch ganz genau ein. Und meide jene, bei denen ich schon vorher weiß, dass sie mich stark stressen werden. Denn das hab ich über die Jahre gelernt. Mich selbst nicht zu vielen Reizen nacheinander und gleichzeitig auszusetzen. Wenn ich nähe, näh ich. Wenn ich singe, sing ich. Wenn ich tanze, tanz ich. Und versuche nicht, mich dabei noch zu unterhalten. Abgrenzung is key! Auch wenn ich das lange lernen musste, aber ich habe gelernt gesunde Grenzen zu setzen. Ich sage Leuten, wenn ich nicht reden will, auch wenn ich sie noch nicht lange kenne. Ich sage ihnen, dass ich nicht Melli genannt werden will, auch wenn sie immer komisch gucken. Ich stehe in der Bahn auf und wechsle den Platz, wenn neben mir jemand ein stark riechendes Parfum trägt. Oder die Straßenseite, wenn jemand vor mir raucht. Das Gleiche gilt, wenn jemand lautstark telefoniert, im schlimmsten Fall sogar mit Lautsprecher. Von außen mag das manchmal egozentrisch wirken oder unhöflich. Für mich ist das reine Selbstfürsorge und ein Überlebensinstinkt, den ich mir mühsam erobert habe, trotz aller Normen und den mir anerzogenen „Regeln des mitmenschlichen Umgangs“. Wenn jede*r für sich selbst sorgt (und trotzdem auch links und rechts schaut), ist für alle gesorgt. Was ich nun mit meiner Bettnachbarin mache? Ein paar Dinge spreche ich liebevoll an, denn die Gute ist durchaus kritik- und lernfähig und mit ihrer Art über sich selbst zu lachen extrem liebenswert. Andere werde ich die letzten 24 Stunden bis zu meiner Entlassung wohl noch aushalten können, denn ich erwarte nicht, dass sie sich grundlegend ändert. Das wäre ja auch anmaßend. Und gleichzeitig weiß ich, dass es Menschen gibt, sie eingeschlossen, die dankbar darüber sind, wenn man sie auf kleine Dinge aufmerksam macht, die sie selbst so gar nicht bemerken. Wichtig ist immer die richtige Art der Kommunikation dabei. Wertschätzend, liebevoll und in Ich-Botschaften. Denn wir haben alle unsere Gründe dafür, dass wir so sind, wie wir sind. Niemand ist falsch. Weder auf dieser Welt noch in seinem Sein. Und ihre Tastentöne? Die hab ich vor zwei Tagen schon heimlich ausgestellt, als sie mich zu ihrem Handy etwas ganz anderes gefragt hatte. Hat sie nicht bemerkt, sie hört sie ja eh nicht. Und ich habe zumindest ein wenig mehr Ruhe. In diesem Sinne, hab einen schönen und entspannten Tag. Deine Melanie Zur Autorin: Melanie ist systemische Coachin und Massagetherapeutin für all die schönen, starken und hochsensiblen Frauen da draußen. Sie unterstützt dich dabei, dich in dieser schnelllebigen, lauten und hektischen Welt zu entfalten und nicht unterzugehen. Denn du bist, wer du bist, und nicht, was du tust. Melanie gibt dir Raum. Denn ein bisschen Zeit und jemanden, der dich begleitet und im richtigen Moment die richtigen Anstöße gibt und Fragen stellt, ist alles, was es braucht, um ein Problem zu lösen, das du vielleicht schon lange mit dir herumträgst. Und alles Weitere liegt absolut in deiner Hand. (Entdecke mehr auf Melanie’s Website: